Aktuelles aus dem Gemeindeleben

 

Stimme aus der Gemeinde

Der Gottlose besteht nicht in seinem Unglück; aber der Gerechte ist auch in seinem Tod getrost.[1]

Corona: Diese Seuche führt meine Zeitgenossen und mich tief in die Todesangst. Ich erkenne die vielen Formen der Verleugnung des Todes. Auf die z.B. Psychoanalytiker hinweisen. Etwa Freud in seinem Werk „Zeitgemäßes über Krieg und Tod“(1915):  „Wir betonen regelmäßig die zufällige Veranlassung des Todes, den Unfall, die Erkrankung, die Infektion, das hohe Alter“, um die Unausweichlichkeit des Todes zu relativieren. Und etwa 100 Jahre später führt uns Tilman Moser zur Angst vor dem eigenen Tod und auch auf die Todesängste um wichtige andere, wie Lebenspartner „mit ihren Bildern der Entstellung und Verstümmelung“, „Bilder, die die Siegespropaganda um jeden Preis aus der öffentlichen Sichtbarkeit herauszuhalten suchte“ [2]

Ja, die Verleugnung. Was höre ich heute und hier? „Geht schnell vorbei“, „Weg mit den Masken“. Ich höre eine Nachbarin sagen, dass unsere jungen Leute hier  keine Masken tragen und dass es bei uns ja auch keine Toten gibt. Das klingt so positiv und so klug – als wäre der Weg zum Friedhof gut versteckt. (Nebenbei: Das ist dieser Weg auch und neuerdings auch noch von Radfahrern gefüllt). Ach ja, der Tod wird verleugnet, als könnte man mit ihm nicht leben. Und die Irrationalität feiert Triumphe… als würde die Verleugnung die Wirklichkeit verändern. Nicht wenige Mitmenschen meinen, dass ihre Maske sie schützt. Nein, das tut sie nicht, nur des andren Maske schützt mich. Aber: So wird man auf die Abhängigkeit von anderen gestoßen. Und das macht noch einmal  Angst.

Wo kommen wir her? Die eigenen Eltern hatten den Krieg als Seuche und hatten ihn überlebt. Sie sprachen lieber nicht davon. Ach, die Hilflosigkeit an den Kriegsgräbern. Das ist um uns!

Manche Psychologen bieten jetzt Psychotechniken an, wie sich die Angst vor der Seuche vertreiben lässt. Ist das der Weg? Oder ist der Tod Teil des Lebens?
Irving D. Jalom[3] hat darüber ein eigenes Buch geschrieben, um die Kollegen zu ermahnen, die Frage nach den Todes- und Sterbensvorstellung ihrer Patienten nicht zu vergessen. „Dem Tod ins Gesicht schauen, unter Anleitung, bändigt nicht nur die Angst, sondern macht das Leben ergreifender, kostbarer, vitaler. Eine solche Herangehensweise an den Tod führt zu einer Anleitung für das Leben.“

Dieser Sicht sich versperren, das passt schon besser zu den diesseitigen Wünschen. Den Wünschen, dass böse Andere die Seuche zu uns gebracht haben (womöglich heimlich), dass die Impftechnik uns retten wird. Dass der Tod ausstirbt.

Aber: Können Menschen auch anderes als fliehen?

Ja, wenn sie über sich hinausgehen. Dietrich Bonhoeffer nannte den Tod das „höchste Fest auf dem Wege zur ewigen Freiheit“. Gottvertrauen und Glaube an die Auf­er­stehung befreit die Christen.

Und wie umgehen mit dem Schweren, hier der Krankheit zum Tode auf der ganzen Welt? Da ist die dritte Strophe seines, Bonhoeffers, Gedichts. Leicht ist sie nicht zu nehmen:

Und reichst du uns den schweren Kelch, den bittern,
des Leids, gefüllt bis an den höchsten Rand,
so nehmen wir ihn dankbar ohne Zittern
aus deiner guten und geliebten Hand.

Doch willst du uns noch einmal Freude schenken
an dieser Welt und ihrer Sonne Glanz,
dann wolln wir des Vergangenen gedenken
und dann gehört dir unser Leben ganz.

 

Prof. Dr. Thomas Schwinger

[1] Sprüche 14, 32
[2] Tilman Moser 2012; Psychoanalyse und Tod
[3] Irving Jalom („In die Sonne schauen. Wie man die Angst vor dem Tod überwindet.“ München, 2010)

 

 

 

 Online-Gottesdienste /Andachten unserer Gemeinde

 


 

Veranstaltungen der nächsten Wochen 

09.08.2020 10:00
Gottesdienst
Pfarrer Stegmüller
16.08.2020 10:00
Gottesdienst
Prädikantin Lautner
23.08.2020 10:00
Jubiläumsgottesdienst
Theatergruppe und Pfr. Stegmüller

Eine Übersicht über alle Veranstaltungen in unserer Gemeinde finden Sie hier.

 

Aktuelles aus der Arbeit des Kirchenvorstandes:

 

Renovierung Scheune:

Die Renovierung der Scheune ist fast abgeschlossen.
Nachdem die Arbeiten im Flurbereich beendet waren, wurde die neue Küche eingebaut. Hier sind noch abschließende Arbeiten auszuführen. Danach kann das sanierte Erdgeschoss des Gemeindehaus in einem neuen, ansprechenden Ambiente wieder von den Gruppen und Kreisen genutzt werden.